Männer und Emotionen – eine starke Verbindung

Zu Beginn meiner Tätigkeit als Coach waren die Mehrzahl meiner Kunden Frauen. Seit ca. einem Jahr hat sich eine Veränderung eingestellt und vor einigen Wochen habe ich mit Erstaunen in meinen aktuellen Coachings nur Männer begrüßt. Diese Entwicklung hat mich neugierig gemacht und mich angeregt über „Männer und Coaching“ und „Männer und Emotionen“ ein paar Gedanken zu formulieren.

Tendenz

Wenn ich mit Kollegen spreche und in Statistiken nachlese, dann ist die Tendenz, dass Frauen dem Coaching offener gegenüberstehen noch weit verbreitet. Die Beobachtung der letzten Monate meiner eigenen Praxis bestärkt mich dennoch, dass sich Männer mehr als früher üblich, sich mit sich beschäftigen und Reflektion mit Hilfe eines Coachings suchen. Es gibt eine größere Offenheit und eventuell auch mehr Mut sich auf professionelle Hilfe einzulassen. Die gesellschaftliche Anerkennung von Coaching ist definitiv gestiegen. Es ist kein Makel oder Schwäche mehr, wenn sich ein Mann sich durch Coaching Unterstützung für seine Themen holt. Mehr Männer merken, dass sie an bestimmte Grenzen kommen, dass sie nicht so weiter machen wollen, dass sie unzufrieden sind. Früher gingen sie mehr darüber hinweg und „wurschtelten“ sich durch im Sinne „ein Mann muss da durch“. Mittlerweile ist Coaching „angesagt“ und es wird sogar darüber auch mit Freunden und Kumpels geredet und es bleibt nicht nur beim Austausch der Fußballergebnisse.

Themen, Chancen und Hürden

Ich werde ab und zu gefragt, worin sich Männer und Frauen im Coaching unterscheiden. Bei den Themen, also den Anliegen kann ich keine großen Unterschiede entdecken. Es geht um Selbstmanagement, Karriere, Umgang mit Stress etc. Die Art und Weise wie das Coaching strukturiert sein sollte, erscheint mir ein wenig anders. Die meisten Männer erwarten einen Sparringspartner, der praxisnah, mit konkreten Situationen und griffig arbeitet. Methoden sind ihnen sehr wichtig. In meiner Wahrnehmung ist das etwas, was greifbar für sie ist und damit gut einordbar. Wenn es in die emotionale Seite meiner männlichen Kunden geht, brauche ich zuweilen mehr Geduld und Zeit als bei den Frauen, um den Zugang zu finden und die Offenheit zu fördern. Oft erlebe ich es so, dass es sehr stark gewünscht und gewollt ist, sich mit seinen Emotionen auseinander zu setzen. Nur geübt ist es nicht und auch das Wissen darüber ist oft nicht sehr tief vorhanden. Insofern baue ich auch immer ein bisschen Input mit ein bzw. Dinge, die für die mentale Ebene gut passen und wo „meine Männer“ gut andocken können. Was ich auch erlebe ist, dass ich als männlicher Coach noch stärker als Vorbild wirke. Das heißt, dass alles was ich tue und sage auch immer mit in der Betrachtung des Prozesses wichtig für meine Kunden ist.

Mehr davon

Mir macht die Arbeit mit meinen männlichen Kunden sehr viel Spaß und ich es bewegt und berührt mich jedes Mal, wenn mein männlicher Kunde seine emotionale Seite stärker in sein Leben integriert und die Erfolge spürt. Die steigende Präsenz, die höhere Authentizität und die eigene sehr individuelle männliche Emotionalität ist eine wunderbare Kombination und Ressource, die ich im Coaching fördere und mit meinen „Männern“ entwickle. Und es ist mir eine innige Freude zu sehen, dass es immer mehr gibt, die sich darauf einlassen. Ich wünsche mir mehr davon – mehr Männer, die zu ihren Gefühlen stehen und diese auch zeigen – eine unheimlich starke Kombination.

„Love what you do!“